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Gastbeitrag: Ist das Plusquamperfekt überflüssig?

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Der Germanist ist Gastautor bei LanguageTool und erklärt, warum das Plusquamperfekt nicht nur bei Vorzeitigkeit verwendet wird, sondern auch einen anderen Ton ausdrücken kann als das Perfekt.

Ist das Plusquamperfekt durch das Perfekt ersetzbar?
Das Plusquamperfekt hat zwei sprachliche Funktionen.

Viele von uns kennen es noch aus der Schulzeit, doch nur manche nutzen es aktiv im Alltag: Das Plusquamperfekt (Vorvergangenheit).

In einigen Sprechsituationen wird der Unterschied zwischen habe / ist und hatte / war als so gering wahrgenommen, dass zwischen den beiden Zeitformen (Perfekt und Plusquamperfekt) teilweise gar nicht mehr unterschieden wird. Wenn es einen Unterschied zwischen den Vergangenheitszeiten gibt, wie groß ist dieser dann wirklich?

Perfekt: Präsensform (Gegenwart) von haben oder sein + Partizip II

    Ich habe gegessen. Ich bin gelaufen.

Plusquamperfekt: Präteritumform (einfache Vergangenheit) von haben oder sein + Partizip II

    Ich hatte gegessen. Ich war gelaufen.


Plusquamperfekt als Vorvergangenheit

Grundsätzlich lässt sich sagen, dass das Plusquamperfekt immer dann Anwendung findet, wenn etwas in der Vergangenheit stattfand, nachdem bereits etwas anderes zuvor passiert war.

Bevor wir in den Urlaub fuhren, hatten wir noch das Auto getankt.
Das Flugzeug hob direkt ab, als wir unsere Plätze eingenommen hatten.
Da ich gestern keine Zeit hatte, war ich bereits vorgestern unterwegs gewesen, um Erledigungen zu machen.

Ist die Aussage auch verständlich, wenn stattdessen das Perfekt verwendet wird?

Nein, da der Satz ja bereits die Vorvergangenheit ausdrückt, bedarf es einer definierten Zeitenfolge aus Präteritum und Plusquamperfekt. Im Eifer des Gefechts kann es passieren, dass wir eine Perfektform für diese Vorzeitigkeit benutzen möchten. Hier ist es sinnvoll, den Schreibassistenten LanguageTool zur Hand zu haben, der unter anderem auf diese grammatikalische Unstimmigkeit hinweisen kann.


Plusquamperfekt für die Differenzierung des Untertons

Anders sieht es aus, wenn ein nachfolgendes Ereignis nicht mehr beschrieben wird. Folgender Satz im Perfekt drückt aus, dass etwas aus dem Gesprächsverlauf wiederholt wird:

Das habe ich Ihnen gerade schon gesagt.

Entscheiden wir uns hingegen für die Alternative im Plusquamperfekt, sind seitdem noch andere Dinge geschehen und wir beziehen uns beispielsweise auf ein anderes Gespräch.

Das hatte ich Ihnen schon letzte Woche gesagt.
Tipp

Aber nicht nur die inhaltliche Bedeutung, sondern auch der Unterton der Aussage kann je nach Zeitform variieren.

  • Bei Das habe ich schon gesagt kann der Vorwurf mitschwingen, dass das Gegenüber nicht aufmerksam zuhört, da laut eigener Aussage eben erst etwas gesagt wurde, was nun unnötigerweise wiederholt wird.
  • Bei Das hatte ich schon gesagt berufen wir uns lediglich darauf, dass etwas bereits besprochen wurde und rufen es uns selbst und unserem Gegenüber noch einmal ins Gedächtnis.

Für das reine Verständnis eines Satzes – die semantische Aussage – ist eine strikte Unterscheidung zwischen Perfekt und Plusquamperfekt nicht nötig. Allerdings kann es Grenzfälle geben, in denen die Verwendung des Perfekts oder des Plusquamperfekts einen pragmatischen Unterschied bewirken kann. Deshalb schadet es nicht, wenn wir uns wieder einmal mit dem Plusquamperfekt befassen.

Das Plusquamperfekt hat generell zwei Hauptfunktionen.

  1. Als Vorvergangenheit drückt es eine Vorzeitigkeit einer Handlung vor einer anderen in der Vergangenheit – diese steht im Präteritum – aus.
  2. Als pragmatisches Sprachmittel kann das Plusquamperfekt verwendet werden, um einen ungeduldigen und vorwurfsvollen Unterton zu umgehen, den das Perfekt ausdrücken würde.

In den meisten Fällen gibt es jedoch keinerlei Bedeutungsunterschied zwischen bei Verwendung des Perfekts und des Plusquamperfekts.


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