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Gastbeitrag: Steigerungen von Adjektiven

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Wir erklären, warum sich nicht jedes Adjektiv steigern lässt, wie wir dies erkennen können und wozu Steigerungen überhaupt sinnvoll sind.

Können wir jedes Adjektiv steigern?
Steigerungen haben drei Grade: Positiv, Komparativ und Superlativ

Rein sprachlich lässt sich doch jedes Adjektiv steigern, oder nicht? Sei es das beste Date seit Langem oder zumindest ein deutlich besseres als das letzte. Wir vergleichen oft Menschen miteinander und finden den einen schöner, klüger, toller, aber nur eine Person am tollsten.

Hier wird uns schon bewusst, dass Steigerungen der Adjektive immer bei  Vergleichen Anwendung finden. Eine Person kann – grammatikalisch betrachtet – nicht die beste in etwas sein, wenn es nicht mindestens eine andere gibt, die weniger gut darin ist.

Wir sind auch nur schöner als unsere Mitmenschen, wenn sich Kriterien aufstellen lassen, an denen sich Schönheit vergleichend messen lassen kann. Wie ist dieser Zusammenhang zwischen Vergleichen in der Realität und dem sprachlichen Phänomen der Steigerung, auch Komparation genannt, zu erklären?


Steigerungen als Ausdruck persönlichen Empfindens

Grundsätzlich gilt: Ist ein Adjektiv subjektiv bzw. von persönlichen Präferenzen abhängig, so gilt dies auch für dessen Steigerungsformen.

  • Positiv: schön
  • Komparativ: schöner
  • Superlativ: am schönsten

Es liegt im Auge des Betrachters, ob etwas schön ist und somit ebenfalls, ob es nun schöner oder weniger schön als etwas anderes ist. Handelt es sich um messbare Daten wie Größe, greift dieses Prinzip auf die Steigerung über:

Es ist beweisbar, wie groß etwas ist, und damit, ob es größer als etwas anderes oder gar am größten von allen ist. Steigerungen von Adjektiven auf der sprachlichen Ebene sind also teilweise nicht absolut – im Gegensatz zu Zeitformen – sondern können variieren und somit je nach Empfinden unterschiedlich sein.

So weit, so gut … Doch gibt es Adjektive, die sich gar nicht steigern lassen? Und wenn ja, warum?


Nicht jedes Adjektiv ist steigerbar

Probleme treten vor allem bei der letzten Steigerungsform, dem Superlativ auf. Dieser sagt aus, dass etwas im Vergleich zu allen anderen in einer Charakteristik / in einem Merkmal unübertroffen ist.

Ist das Haus am höchsten, so gibt es kein höheres, das in Betracht gezogen wurde. Ist ein Mensch am schönsten, dann gibt es – zumindest nach subjektiver Wahrnehmung – niemand Schöneres.

Es gibt Adjektive, die in ihrer normalen Form, dem Positiv, bereits eine absolute Bedeutung ausdrücken – auch, wenn es grammatikalisch nicht so erscheint. Das Wort minimal beispielsweise gibt nicht nur an, dass etwas klein ist, sondern dass es das Kleinste von allen ist. Gäbe es etwas noch Kleineres, so wäre das Ursprüngliche nicht minimal, sondern nur klein.

Ähnlich sieht es bei dem Adjektiv einzig aus. Viele wissen, dass „das Einzigste“ falsch ist. Doch warum?

Das Wort setzt bereits im Positiv voraus, dass keines der Vergleichskandidaten die Ebene des Einzigen erreicht, da es sonst den semantischen Inhalt von einzig nicht erfüllen könnte. Auch perfekt gibt den optimalen Zustand einer Sache an und kann nicht gesteigert werden, denn dann wäre die Grundform, der Positiv, nicht perfekt, da es noch etwas Besseres gäbe.

Hören wir also Formen wie „am idealsten“, so klingen sie nicht nur unlogisch, sondern sind auch grammatikalisch falsch. Der Schreibassistent LanguageTool ist hierbei hilfreich, weil inkohärente / unlogische Steigerungen wie „am idealsten“ als Stilbrüche erkannt werden. Es gibt keine Notwendigkeit für diese Formen und daher sollten Sie sie besonders in Texten nicht verwenden.

Weitere Beispiele: allein, tot, lebendig, müde, wach, schwanger, verheiratet, ledig, parallel, diagonal, korrekt etc.

→ In der Sprachwissenschaft ist hier die Rede von komplementärer oder kontradiktorischer Antonymie – also von bipolaren Gegenteilpaaren.


Sprachliche Eigenschaften von Steigerungen

Schauen wir uns nun einmal die orthografische Ebene an, so gibt es noch eine weitere Gefahrenquelle der Rechtschreibung: die Groß- und Kleinschreibung von gesteigerten Adjektiven. Oft heißt es, am besten müsse großgeschrieben werden, weil es sich um das Nomen das Beste handele.

Dies ist auch nicht zwingend falsch. Wird das Beste tatsächlich als Substantiv verwendet, ist die Großschreibung sogar erforderlich:

Manchmal fehlt es einem einfach am Besten.

In weitaus mehr Fällen tritt die Steigerung von gut als Adjektiv auf und kann mit dem Fragepronomen Wie? erfragt werden.

Wie fandest du den Eiskunstläufer? Auf jeden Fall am besten von den dreien.

Dass gut hier gesteigert wird, ändert zwar etwas an der Formulierung, nicht jedoch an der Wortart. Am besten, am schönsten, am hilfreichsten sind alles gesteigerte Formen der Adjektive gut, schön, hilfreich und werden trotz veränderten Grads – wie alle Adjektive – kleingeschrieben.

Zusammenfassend

Nicht jedes Adjektiv ist steigerbar. Manchmal lassen Adjektive in ihrer Grundform bereits semantisch keine Möglichkeit für den Superlativ. So wie auch die beiden anderen Formen der Adjektive, Positiv und Komparativ, wird er als Adjektiv – immer kleingeschrieben. Als Indikator für die Kleinschreibung lässt sich die Frage nach dem Wie? stellen. Wollen wir wissen, ob sich ein Adjektiv steigern lässt, so kommt es auf die genaue Bedeutung des Positivs an.


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