Zusammenschreibung von Verbformen mit „zu“

Zusammenschreibung von zu

  • Verben mit „zu-“ als Vorsilbe: zuschauen, zuarbeiten, zumuten
  • Alle anderen trennbaren Verben im zu-Infinitiv: anzurufen, mitzumachen, herabzublicken, entgegenzutreten

Getrenntschreibung von zu

  • Verben ohne Präfix im zu-Infinitiv: zu schreiben, zu laufen, zu sein
  • Untrennbare Verben: zu entfesseln, zu vergrößern, zu missbilligen


Die Tür wird zugelassen oder nur gelassen?

Neulich stolperte ich über folgenden Satz:

Es ist wichtig, die Tür zu lassen.

Gut, höchstwahrscheinlich wurde hier einfach ein zweites zu zwischen zu und lassen vergessen. Aber es ist schon ein wenig lustig, wenn wir den Satz ernst nehmen und die Tür einfach mal lassen sollen – vielleicht ist sie gerade bockig oder verstimmt.

Doch im Grunde steckt hinter diesem simplen Tippfehler ein sehr komplexes Grammatikthema, welches maßgeblich die Zusammenschreibung von allen Verben betrifft. In diesem Artikel widmen wir uns zwei Themen der Rechtschreibung: zum einen der Schreibweise von Infinitivkonstruktionen und zum anderen der Schreibung von Verben mit Vorsilben.

In beiden Fällen können wir von dem Wort zu ausgehen.


Zu welcher Wortart gehört „zu“?

Zu ist zwar ein sehr kleines Wort, doch kann es je nach Wortart drei verschiedene Bedeutungen tragen.

  1. Zu als Konjunktion (Bindewort) finden wir entweder in Infinitiv- oder in Partizipialkonstruktionen (zu beantworten bzw. zu beantwortende).
  2. Zu als Adverb (Umstandswort) bedeutet entweder „in einem unangemessen hohen/geringen Maß“ (zu viel, zu knapp) oder „geschlossen“.
  3. Zu als Präposition (Verhältniswort) heißt so viel wie „an“, „auf“ oder „bis“. Es wird für Orte, Zeiten, Ergebnisse, Methoden und vieles mehr benutzt (zu Hause, zu etwas werden etc.).

Diese Unterscheidung ist essenziell für das Verständnis der nächsten Abschnitte.


Schreiben wir Infinitivkonstruktionen zusammen oder getrennt?

Infinitivkonstruktionen werden im Deutschen mit der Konjunktion zu gebildet. Diese beziehen sich oft auf Verben oder Nomen (Hauptwörter) des Hauptsatzes.

Ich hatte nicht vor, ihn ins Kino zu lassen.
Ihre Absicht, sich scheiden zu lassen, setzte sie doch nicht um.

Bei einfachen Infinitiven – das ist übrigens die Grundform des Verbs – wird zu stets getrennt geschrieben. Dabei spielt es keinerlei Rolle, ob das Verb mehrteilig ist oder welches Wort vor dem zu steht.

zum Punkt zu kommen
ernst zu nehmen
infrage zu stellen
ein Tor zu schießen
warten zu lassen

Welche Verben haben „zu-“ als Vorsilbe?

Zu als Adverb oder Präposition hingegen kann die Funktion einer Vorsilbe (eines Präfixes) einnehmen. Das kennen wir bei vielen anderen Vertretern dieser Wortarten auch.

  • Adverbien: Bergab-, fort-, her-, hin-, weg-, zusammen-, zurück- etc.
  • Präpositionen: Ab-, an-, auf-, aus-, bei-, ein-, mit-, vor- etc.

Zudem gibt es Partikel, die in einer ähnlichen Weise gewissen Verben vorangestellt werden. Allerdings können diese nicht – wie Adverbien oder Präpositionen – allein stehen:

  • Partikel: be-, ent-, er-, miss-, ver-, zer- etc.

Achtung! Die Regel ist entscheidend: Präfixe werden bei trennbaren Verben eingesetzt, während Partikel nur untrennbare Verben ergeben können.

In den Formen Infinitiv und Partizipien macht es keinen Unterschied. Sämtliche Vorsilben werden immer mit dem Verb zusammengeschrieben:

Wir sollten öfter den Berg besteigen, es macht Spaß aufs Tal hinunterzublicken.
Sie haben nicht weggesehen, sondern sind direkt eingeschritten.
Es war ebenso erschütternd wie verletzend.

Nur bei den konjugierten Formen sehen wir einen Unterschied zwischen trennbaren und untrennbaren Verben (in Hauptsätzen):

Gestern entschied ich: Heute breche ich die Schule ab!

Wann wird ein „zu-“ zwischen Präfix und Verbstamm geschoben?

Wenn wir nun beide Grammatikthemen miteinander verbinden, sehen wir, dass sich die Getrenntschreibung der zu-Infinitive und die Zusammenschreibung von Präfixverben eigentlich ausschließen müssten. Allerdings gewinnt die Zusammenschreibung und die Konjunktion zu wird zwischen Vorsilbe und Verbstamm gesetzt:

Hinausfahren → hinauszufahren
Zusammenarbeiten → zusammenzuarbeiten
Vorbringen → vorzubringen

Bei Verben mit einem Partikel als Vorsilbe (untrennbare Verben) greifen wir jedoch auf die Getrenntschreibung zurück und setzen das zu vorweg.

Befreien → zu befreien
Entzweien → zu entzweien

Achtung: Es gibt darüber hinaus Verben mit doppelten Präfixen: Herabsetzen, mitbegründen, umherlaufen, auferlegen usw.

Wenn Sie nicht immer wissen, wie Sie mit der deutschen Zusammen- oder Getrenntschreibung umzugehen haben, möchte ich Ihnen LanguageTool ans Herz legen. Der intelligente Schreibassistent findet nicht nur Rechtschreib-, Zeichensetzungs- und Grammatikfehler, sondern auch Ungenauigkeiten in Wortwahl und Sprachstil. So können Sie Schreibprobleme ganz einfach umgehen.


Wann verwenden wir „zuzu-“?

Wird ein trennbares Verb mit „zu-“ nun als zu-Infinitiv verwendet, erhalten wir – recht logisch – die Vorsilben „zuzu-“, was auf den ersten Blick etwas gewöhnungsbedürftig ist.

zutun → zuzutun
zubilligen → zuzubilligen
zustimmen → zuzustimmen

Wichtig zu erwähnen ist, dass die folgenden beiden Schreibweisen niemals korrekt sein können:

Er war es gewohnt, den Vögeln beim Fliegen zu zusehen.
Er war es gewohnt, den Vögeln beim Fliegen zuzusehen.
Das ist Ihre Chance, einen Zahn zu zu legen.
Das ist Ihre Chance, einen Zahn zuzulegen.

Der Beispielsatz zu Beginn muss von daher lauten:

Es ist wichtig, die Tür zuzulassen.

Nur so können wir erkennen, dass das Verb zulassen gemeint ist, und nicht das Verb lassen.

Es gibt sehr viele vergleichbare Verbpaare.

Infintiv Grundverb zu-Infinitiv Grundverb Infinitiv Präfixverb zu-Infinitiv Präfixverb
beißen zu beißen zubeißen zuzubeißen
hören zu hören zuhören zuzuhören
nehmen zu nehmen zunehmen zuzunehmen
setzen zu setzen zusetzen zuzusetzen
stellen zu stellen zustellen zuzustellen
Information

Falls Sie sich nun fragen, ob wir sämtliche Verben mit „zu-“ mit dem Adverb zu oder der Präposition zu bilden, muss ich zugestehen, dass die Antwort nicht so einfach ist. Verben, die auf einen Schließvorgang zielen (zumachen, zulassen etc.) beinhalten das Adverb, wohingegen Verben mit anderen Bedeutungen die Präposition als Präfix haben (zugucken, zuzwinkern etc.).

Zusammenfassend ist es für die korrekte Zusammen- oder Getrenntschreibung ausschlaggebend, ob es sich um ein trennbares oder nicht trennbares Verb handelt und ob das Verb als zu-Infinitiv benutzt wird.

Die Rechtschreibung von Verbformen mit „-zu-“ unterliegt einigen Regeln.