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Genießen Sie ein Muss der deutschen Rechtschreibung

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Warum gibt es den 30. Buchstaben, das Eszett („ß“)? Lassen sich nicht auch alle Wörter mit „ss“ schreiben (also „Fußball“ und „Fussball“)?

Das Eszett (ẞ / ß)
Wir erklären, warum das „ß“ der ungewöhnlichste Buchstabe ist.
Die korrekte Benutzung des „ß“ und von „ss“

  • Bei einem stimmhaften s-Laut (mit Vibrationen mit Hals):
    einfaches s (wie in Reise)
  • Bei einem kurzen Vokal + stimmlosen s-Laut (ohne Vibrationen):
    ss (wie in Risse)
  • Bei einem langen Vokal oder einem Doppelvokal + stimmlosen s-Laut:
    ß (wie in reißen)
  • Bei einem langen Vokal + einem stimmlosen s-Laut (manchmal):
    einfaches s (wie in Reis)


Hat das deutsche Alphabet 26, 29 oder 30 Buchstaben?

Neulich erreichte mich eine nette E-Mail, die der Absender mit folgenden Worten abschloss: „Mit freundlichen Grüssen“. Natürlich spricht nichts gegen diese standardisierte Grußformel, allerdings wunderte ich mich, dass LanguageTool beim Verfassen des Textes offenbar nicht eingeschritten ist und aus dem Grüsse ein Grüße gemacht hat. Bei mir wurde der Fehler wie folgt angezeigt:

Ich forschte etwas nach und fand heraus, dass uns die Zuschrift aus der Schweiz geschickt wurde und dass dort das Eszett („ß“) nicht benutzt wird. Das erinnerte mich an eine Frage vor einigen Wochen, ob das deutsche Alphabet streng genommen nur 26 Buchstaben umfasst oder ob die drei Umlaute mitgezählt werden.

Hat dann das „ß“ einen ähnlichen Stellenwert oder ist es kein eigenständiger Buchstabe? Na ja, immerhin schwankt das Schweizerdeutsch nur zwischen 26 und 29 Buchstaben, während die deutschen und österreichischen Standards eben drei Möglichkeiten hätten. Warum ist die Sache mit dem Eszett so kompliziert?

Tipp vorweg

Sie können auch auf internationalen Tastaturen das „ß“ benutzen, in dem Sie folgende Tastenkombinationen verwenden: Alt + 225 (auf dem Ziffernblock bei Windows), Alt + s (macOS), Alt + Umschalttaste + s (Linux).


Wann benutzen wir das Eszett und wann ein doppeltes S?

Ein „ß“ tritt nie am Wortanfang auf – ebenso wenig wie ein doppeltes „s“, das nach wie vor seine Ersatzform ist. Standardsprachlich wird es oft Eszett genannt; in Süddeutschland ist oft von einem scharfen „s“ die Rede. Diese Bezeichnung bringt seine Aussprache auf den Punkt. Es gleicht eben einem stimmlosen „s“ (der Laut erinnert an eine Schlange). Übrigens finden wir auch noch weitere Namen für den Buchstaben: Buckel-s, Ringel-S, Rucksack-S oder auch Dreierles-S.

Vergleichen Sie:

  • Rose (stimmhaft / gesummt)
  • Ruß (stimmlos / scharf)
  • Reis (stimmlos / scharf)
  • Russland (stimmlos / scharf)

Das erklärt die Schwierigkeit, dass alle Begriffe, die einen stimmlosen „s“-Laut haben, auf drei Arten geschrieben werden könnten: mit einem „s“, mit Doppel-„s“ oder mit einem „ß“.

Ausschlaggebend ist der Vokal direkt vor dem Laut. Sehen wir uns folgenden Merkspruch an:

Wir gehen eine kurze Gasse entlang, danach folgt eine lange Straße.

Sowohl Gasse als auch Straße besitzen ein stimmloses „s“ in ihrer Wortmitte. Allerdings ist das „a“ in Gasse kurz, während das „a“ in Straße lang ist. Somit können wir uns merken:
Ein doppeltes „s“ benutzen wir nach einem kurzem Vokal; ein „ß“ verwenden wir nach langen Vokalen.

Tipp

Tipp: Bedenken Sie, dass ein Doppelvokal (Diphthong) immer als lang zählt und dass Umlaute ebenso lang ausgesprochen werden können.

draußen, meißeln, gießen, süß, Gefäß, Stößel

Außerdem benutzen wir ein Doppel-„s“, sobald zwei Wörter zusammengesetzt werden und dadurch zwei einzelne „s“ aufeinandertreffen:

aussetzen, herausstellen, lossagen, Gesundheitssystem, Internatsschüler

Wann benutzen wir das Eszett und wann ein einfaches „s“?

Leider ist es nicht so einfach wie gehofft, denn wie schon erwähnt, lässt sich ein scharf gesprochenes „s“ auch als „s“ darstellen. Wenn der vorherige Vokal lang ist, muss nicht zwingend ein „ß“ folgen. Dies ist besonders bei einsilbigen Wörtern der Fall.

Gras, Gas, Los, heraus, Griesgram, Haus etc.

Auch bei zusammengesetzten Wörtern oder Buchstabenfolgen von mehreren Konsonanten wird fast immer nur „s“ eingesetzt, obwohl auch ein „ß“ oder „ss“ lauttechnisch denkbar wären.

Wohnungstür, Schadensersatz, zumeist, Raps

Wir erweitern den Merkspruch daher wie folgt:

Wir gehen eine kurze Gasse entlang, danach folgt eine lange Straße. Der Verkehrsweg danach ist zwar auch lang, aber eine Ausnahme.


Wie können wir zwischen „ß“, „s“ und „ss“ unterscheiden?

An folgenden Beispielen können wir den Unterschied am besten sehen:

Wenn die Muse Zeit und Muße hat, muss sie Apfelmus kaufen.

Erklärung: Muse schreiben wir mit einem „s“, da dieses stimmhaft ist. In Muße ist der „s“-Laut stimmlos und das „u“ lang, also „ß“. In muss ist der „s“-Laut stimmlos, aber der Vokal kurz. Daher wird ein „ss“ verwendet. Apfelmus zeigt zwar ein stimmloses „s“ und einen langen Vokal, aber es schreibt sich nur mit einem „s“.

Hyänen sind wahre Asse unter den Aasfressern, sie fraßen schon vor hunderten von Jahren gestorbene Tiere.
Ich bin zwar nicht wirklich weise, aber ich weiß, dass schon meine Vorfahren wussten, dass Weiß auch eine Farbe ist.
Schreibung mit „ß“ Schreibung mit „s“ Schreibung mit „ss“
reißen, reiß, er/sie reißt reisen, die Reise, er/sie reist, Reis der Riss, gerissen
das Floß, fließen des Flohs floss, geflossen, der Fluss
das Maß der Mist, der Mast die Masse, die Messe, messen, gemessen, misst
beißen, er/sie beißt bis der Biss, gebissen
der Gruß das Gras der Guss
der Fuß, die Füße der Fusel die Fussel
ließen, er/sie ließ er/sie las, er/sie liest, gelesen, los, er/sie verlas gelassen, lassen, der Verlass
die Geißel, die Geiß die Geisel, der Geist, die Gams /
der Schoß, der Stoß, stieß, gestoßen / das Geschoss, der Schuss, schoss, geschossen
genießen, er/sie genießt niesen, er/sie nieste, geniest genossen, der Genuss, die Genossen
Häufige Fehler

  • weiss, heissen, heiss, Strasse, Spass
  • die alten Schreibweisen: daß, Schluß, Schloß


Ist das Eszett nun ein eigenständiger Buchstabe?

Die Form des Buchstaben „ß“ lässt sich übrigens ebenfalls dadurch erklären, dass vor dem 15. Jahrhundert alle Begriffe mit besagtem Laut mit einem Doppel-„s“ geschrieben wurden. Durch den Druck rückten die beiden unterschiedlichen „s“-Formen immer näher zusammen und bildeten schlussendlich den neuen Buchstaben, den es in keiner anderen Sprache gibt. 2008 wurde eine großgeschriebene Variante ins Leben gerufen: „ẞ“.

Zuvor konnten Begriffe mit einem Eszett nicht oder streng genommen inkorrekt dargestellt werden, wenn sie in Großbuchstaben auftraten:

  • Entweder als Kleinbuchstabe innerhalb von Großbuchstaben: FUßBALL
  • oder mit „SS“ als Ersatzform: FUSSBALL

Inzwischen lassen sie sich korrekt schreiben: FUẞBALL.

Zurück zur Eingangsfrage: Während es in der Schweiz vollkommen korrekt ist, alle obigen Fälle mit einem doppelten „s“ zu ersetzen, werden in der österreichischen und deutschen Standardsprache die beiden Schreibweisen unterschieden.

Genießen Sie ein Muss der deutschen Rechtschreibung
Bei einigen Designs können wir gut erkennen, dass statt eines Eszetts auch ein „ss“ verwendet wird.
Merksatz

Wir gehen eine kurze Gasse entlang, danach folgt eine lange Straße. Der Verkehrsweg danach ist zwar auch lang, aber eine Ausnahme.

In der Schweiz gibt es augenscheinlich nur kurze Gassen und kurze Strassen.

Übrigens weiß LanguageTool auch, dass der Nachname Weiss fast ausschließlich mit doppeltem „s“ geschrieben wird. Daher erinnert es Sie nur höflich daran, dass dieser nicht mit dem Weiß (der Farbe) zu verwechseln ist. Schlussendlich senden wir freundliche Grüße bzw. Grüsse – auch an die, die einen anderen Nachnamen tragen.


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