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Ein Plädoyer fürs Gendern

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Welche Argumente sprechen für das Gendern? Wir zeigen sechs Argumente, wieso die Benutzung gendergerechte Sprache gut ist.

Argumente für eine gendergerechte Sprache
Sind Sie tendenziell für oder gegen das Gendern?

Dieser Artikel über die Genderdebatte geht ausschließlich darauf ein, was für ein allgemeines Gendern sprechen würde. Argumente gegen eine gendergerechte Sprache kommen nicht vor.

Sogar der Präsident kam pünktlich zum Raketenstart angereist, um per Telefonat den mutigen Astronauten für ihre lange Mission alles Gute zu wünschen. Nach nicht einmal zwei Minuten zündeten die Triebwerke und alle Ingenieure waren damit beschäftigt, die erforderlichen Daten auszuwerten. Doch die Rakete startete fehlerfrei und alle waren zufrieden …

Sind in der männlichen Form wirklich alle mitgemeint?

Wenn ich Sie jetzt fragen würde, welche Personen in der oben stehenden Geschichte auftauchen, können Sie mir diese schnell nennen, oder? Der Präsident, Astronauten und Ingenieure. Doch wie sieht es aus, wenn ich Sie nach den jeweiligen Geschlechtern frage?

Nun ja, der Präsident ist mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Mann. Aber Hand aufs Herz, haben Sie beim Lesen an eine Gruppe von Astronauten und Astronautinnen sowie Ingenieure und Ingenieurinnen gedacht?

Genau dies ist das zentrale Thema von gendergerechter Sprache. Angeblich seien im generischen Maskulinum – also der ausschließlich männlichen  – Personenbezeichnung weibliche und diverse Personen „mitgemeint“. Wir zeigen sechs Argumente, wieso dies nicht stimmen kann:


Sprache schafft Realität

Wenn ein Kind die Geschichte oben hört, nimmt es zunächst alle Informationen auf und hinterfragt diese nicht. Da es jetzt weibliche Gruppenbezeichnungen gibt, diese jedoch nicht verwendet werden, werden Kinder schon früh damit konfrontiert, dass Astronauten, Ingenieure und nicht zuletzt der Präsident eines Landes in der Regel männliche Personen sind.

Andersherum suggerieren generische Feminina wie Krankenschwestern, Erzieherinnen und Sekretärinnen, dass diese Berufe zwangsläufig von weiblichen Personen ausgeübt werden und Jungs wird beigebracht, dass sie gegen den Strom schwimmen würden, wenn sie sich für diese Jobs entscheiden.


Sprache macht bewusst

Oft steht hinter dem Gendern an sich ein weitaus größeres politisches Thema als bloße Wortendungen. Die Gesellschaft wird vielmals als patriarchalisch beschrieben – dementsprechend sind Männer Familienoberhäupter, Vorgesetzte und öfter in Machtpositionen als andere Geschlechtergruppen. Durch bewusst eingesetztes Gendern kann begonnen werden, dieses Ungleichgewicht im Kleinen anzugehen. Selbstverständlich reicht die Nennung von anderen Genera (grammatischen Geschlechter) für das Aufbrechen dieser jahrhundertelangen Strukturen der Benachteiligung nicht aus. Emanzipation und Feminismus bedient sich auch anderer Werkzeuge (Frauenquote o. Ä.).


Sprache muss sich anpassen

Bisher habe ich nur kritisiert, dass mit den Personen aus der Geschichte keine Frauen mitgemeint werden. Aber seit 2018 (in Österreich 2019) gibt es auf Grundlage des deutschen Grundgesetzes die Geschlechtsidentitäten unter dem Stichwort divers. Intersexuelle, nicht binäre und transgeschlechtliche Personen müssen sich also nicht mehr für die zwei unpassenden Optionen männlich und weiblich entscheiden.

Mit einigen Möglichkeiten der genderneutralen Sprache lässt sich diese Personengruppe sprachlich repräsentieren und explizit ansprechen. Ihnen ist sicher der Zusatz in Jobanzeigen (m/w/d) aufgefallen. Wenn es also rechtlich geregelt ist, wie Anzeigen geschrieben sein sollen, warum funktioniert das nicht allgemein in Medien, Bildungswesen oder offiziellen Kontexten?


Sprache verändert sich stetig

Die Veränderung der Sprache, also der Sprachwandel, ist ein normales Phänomen, das wir kaum aufhalten können. Mit jeder neuen Generation ändern sich Aussprache- und Grammatikregeln, Wortbedeutungen oder andere linguistische Strukturen. Gendergerechte Sprache ist eben der Spiegel der aktuellen Genderdebatte. Daher scheint es jetzt etwas umständlich oder kompliziert an das Gendersternchen oder die Sprechpause zu denken, aber in mehreren Jahren könnte das der neue Standard sein.

Die Rechtschreibreformen von 1996 und 2006 stießen auf einen ähnlichen Widerstand, konnten sich aber letztlich durchsetzen. Daher bietet sich an, den intelligenten Schreibassistenten LanguageTool zu verwenden, um immer die aktuelle Schreibweise parat zu haben. Probieren Sie das kostenlose Tool doch direkt aus.


Sprache sorgt für Beständigkeit

Für viele mag es befremdlich sein, bewährte Formulierungen plötzlich über Bord zu schmeißen und den Zusammenhang zwischen Genus (grammatischem) und Sexus (natürlichem Geschlecht) gänzlich neu zu denken. Das ist aber auch normal. Der Mensch mag als Gewohnheitstier Beständigkeit und feste Strukturen.

Das Gendern hat etwas Ungewisses an sich – schließlich weiß derzeit niemand, ob es sich durchsetzen wird und schlussendlich den gewünschten Erfolg erzielen kann. Daher liegt es in der Natur der Sache, alles weiterhin so zu machen, wie es sich bewährt hat.

Allerdings geht es bei der Debatte zunehmend um die Geschichtenerzähler:innen, die partout nicht ihren Wortlaut ändern möchten. Die Astronaut:innen und Ingenieur*innen sowie die zuhörenden Kinder werden vergessen, so die „Kritik“.


Sprache darf auch subtil sein

Das letzte Argument für das Gendern ist, dass es schwierig ist, generell gegen eine gendergerechte Sprache zu sein. Es gibt einfach zu viele Varianten und Abstufungen, als dass wir pauschalisieren könnten. Zwischen dem generischen Maskulinum (teilweise auch in der Singularform) über der Doppelnennung und den Optionen Gendergap, Gendersternchen etc. bis hin zu Leitlinien, nach denen auch Wörter wie man, jeder, Bürgersteig oder Muttersprache umformuliert gehören, gibt es viel Spielraum.

Beginnen Sie also mit subtilen Methoden des Genderings, wenn Sie die Idee von gendergerechter Sprache befürworten. Es muss nicht gleich die Abkehr von der Hälfte Ihres Wortschatzes sein. Andersherum sollten Sie Verständnis für Menschen mit einer anderen Meinung zu genderneutraler Sprache haben und nicht direkt den Zeigefinger erheben. Dazu dient der aktuelle Diskurs.


Ist das Gendern also die Lösung aller (sprachlichen) Probleme?

Wenn Sie in der Geschichte des Raketenstarts gegendert hätten, würde dies gewiss ein Zeichen setzen. Zwar laufen Sie Gefahr, dass Leute nach dem ersten Sonderzeichen erst gar nicht weiterlesen, aber Sie helfen dabei, dass wirklich alle Geschlechter gesehen werden können. Mädchen und diverse Kinder dürfen davon träumen, einmal ein Land zu führen, Raketen zu bauen oder ins All zu fliegen – unabhängig davon, ob es gesellschaftlich die Norm wird. In unserem anderen Artikel erfahren Sie die Argumente, die gegen das generelle Gendern sprechen und die aufzeigen, dass es derzeit doch problematisch werden kann.

In der Geschichte von oben geht es um Raketeningenieur:innen und Astronaut:innen.
In Geschichten geht es um viel mehr als den bloßen Inhalt, sondern auch um (gendergerechte) Sprache.

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